Von den Archiven


Drogen, Lügen, und Statistiken

(Blockiert von der Herausgabe in Rethinking AIDS [Überdenken AIDS], 1993)

bei Bryan Ellison

[Herausgeber’s Vermerk, 2005: Dieser Artikel ist nun zum allerersten Mal im ATTAC Report veröffentlicht. Er war in 1993 zensiert, gegen den Einwand von Dr. Harvey Bialy, der zu der Zeit ein Berater für die Veröffentlichung Rethinking AIDS (Überdenken AIDS) war. Er, und anscheinend andere Berater, konnten irgend etwas ungenau über diesen Artikel finden, aber sie wollten das wissenschaftliche Etablissement nicht mit solch kühner Enthüllung verletzen. Professor Phillip Johnson war wahrscheinlich auch verwickelt im Unterdrücken dieses Artikels; seine Rolle im Sabotieren des wissenschaftlichen Protests gegen den Krieg an AIDS ist in einem anderen Artikel erklärt, der nun am ATTAC Report erhältlich ist.]
 

Wo Donald Francis leitet, Menschen folgen. Seit langer Zeit ein Retrovirologe mit den Centers for Disease Control (Seuchenkontrollbehörde/CDC), ist Francis der Individuelle, der zuerst darauf bestand, daß ein Retrovirus AIDS verursachen muß und der Robert Gallo rekrutierte, einen zu finden. Weit bekannt für seinen aggressiven Stil, den Krieg an AIDS zu drängen, illustrierte er unverschämt in einer Sprache, im Januar, 1992, die rücksichtslose öffentliche Gesundheitsstellungnahme der CDC. Diese Sprache wurde im folgenden September in dem Journal of the American Medical Association exzerpiert:

Einem mehr aufgeklärten Modell für Drogenbehandlung folgend, einschließlich dem Verschreiben von Heroin, würde dramatische Einflüsse an HIV haben und könnte viele der gefährlichen illegalen Aktivitäten, die sich den Drogen umgeben, eliminieren. Im Zusatz zur Behandlung muß sichere Einspritzung betont werden, für beide, solche, die im Behandlungsprogramm sind und solche, die aus der Behandlung heraus sind. [Emphase hinzugefügt]

Dieser Glaube, daß Drogen, in irgendeinem Konzentrat, sicher sind, aber schlafende Viren werden einen töten, durchdringt das Denken der größeren medizinischen Journale. Nature, zum Beispiel, veröffentlichte im letzten März [1993] ein Kommentar von Michael Ascher et al., in dem sie behaupten, absolut keine Einwirkung der Drogen auf die AIDS-Entwicklung zu finden, aber eine gewaltige Einwirkung von Immunkörpern gegen HIV.1 Der Artikel war basiert auf einer epidemiologischen Studie von über 1.000 Männern, die im Zentrum von San Franzisko wohnten. Anders als eine formelle wissenschaftliche Arbeit, enthielt der Kommentar keinen Methodenabschnitt, der ihr Datensammeln oder ihre statistischen Techniken beschreibt, noch bechrieb er vollständig ihre eigenen Daten. Anstatt präsentierte er verallgemeinernde Ergebnisse und ein ansprechendes Diagramm (mit einem blauen Hintergrund, sogar noch!) zu einer naiven Audienz.

Peter Duesberg versuchte zu reagieren und machte auf mehrere tiefsitzende fehlerhafte Stellen der Logik in dem Kommentar aufmerksam. Sein Brief wurde zur Veröffentlichung abgelehnt. Aber in der 13. Mai-Ausgabe von Nature fühlte sich der Herausgeber, John Maddox, irgendwie gezwungen, eine Bemerkung über den unveröffentlichten Brief zu machen. “Hat Duesberg ein Recht, zu erwidern?”, fragte Maddox in dem Titel. Seine Antwort erforderte über 1.000 Worte der Rechtfertigung — ein höchstausdrückliches ‘Nein’. Was denn Duesberg? “Er sollte stoppen”, verlangte Maddox.

Aber die eigene Präsentation des Kommentars enthielt mehrere deutliche und fatalistische Fehler. Monate vor der Veröffentlichung präsentierten die Autoren, die in Berkeley, Kalifornien, basiert sind, die Daten in einer früheren Form zu Duesberg. Wir bemerkten die Fehler, und ich spezifisch erwähnte sie zu drei von den vier Kommentarautoren. Als ich dem Epidemiologen und Hauptautoren, Warren Winkelstein, vorschlug, daß er diese Probleme bevor der Veröffentlichung addressieren sollte, drehte er sich zu mir, ausdruckslos und erklärte, “Der Beweis für HIV ist überwältigend”. Ein Statistiker, der in der Unterhaltung gegenwärtig war, forderte Winkelstein sofort heraus und fragte ihn, ob er meine Kritik vermied, weil es zu viel Arbeit erfordern würde.

Der Kommentar, der schließlich erschien, adressierte nicht eine einzige Sorge und hatte sogar mein Kommentar gebraucht, die Fehler geschickter zu verbergen:

  • Ascher et al. gebrauchten die kreisförmige Definition der CDC über AIDS, welche das Syndrom auf der Basis diagnostiziert, die Krankheiten nur zu definieren, wenn der Patient Antikörper gegen HIV hat oder unter der Vermutung von heimlicher Infektion ist. Daher, lediglich bei künstlicher Definition kann AIDS nur in der Anwesenheit von HIV vorkommen. Der Kommentar berichtete vollkommen einwandfreie “Null” Fälle bei Männern, die nicht mit HIV infiziert sind. Aber um aus der Beschuldigung der Kreisförmigkeit heraus zu zucken, behaupteten die Autoren, daß “AIDS-Fälle bei klinischen Kriterien diagnostiziert würden, die genau von den Centers for Disease Control (CDC) bezeichnet sind, welche unabhängig vom HIV-Ansteckungszustand sind”. Wie wir seitdem erwiesen haben, ist dies nicht wahr.
  • Der Kommentar verzeichnete nicht nur alle AIDS-Fälle als in HIV-Positiven vorzukommen, sondern zeigte auch die Gruppe, die ihre T-Zellen über eine achtjährige Periode verlieren. Die nichtangesteckten Männer, im Kontrast, erhielten eine beständige Höhe von T-Zellen aufrecht. Als ich vorher Ascher fragte, ob die angesteckten Männer mehr Drogen gebraucht hätten, gab er bereitwillig zu, sie mußten, welches der Grund war, daß sie sich HIV an erster Stelle zuzogen. Freizeitdrogengebrauch ist, nicht überraschend, verbunden mit dem Teilen der Nadeln und promiskuitiver geschlechtlicher Aktivität. Aber Ascher et al. scheiterten nicht nur, den Unterschied im Drogengebrauch zwischen HIV-Positiven und Negativen zu beschreiben, sie verkleideten es sogar. Heterosexuelle, die alle, bis auf einen, nicht infiziert waren, angeblich benutzten Drogen (außer Nitrite) so oft wie die Homosexuellen, die Hälfte von ihnen hatten HIV. Die Autoren erwähnten kaum, daß sie nur vier Drogen prüften und nur am Anfang der Studie.
  • Die Drogen-AIDS-Hypothese ist ähnlich wie die Zigaretten-Lungen-Hypothese oder die Alkohol-Leber Zirrhose-Hypothese. Das heißt, das Risiko auf eine Krankheit steigt mit dem gesamten Ausgesetztsein in der Lebenszeit zu der Substanz, die in Frage gestellt ist; in jedem Fall können statistische Ergebnisse des Drogenkonsums nur nach Jahren oder sogar Jahrzehnten gesehen werden. Jedoch, den ganzen Kommentar hindurch klassifizierten Ascher et al. die Männer in der Studie in hoch-, niedrig-, und Nulldrogengruppen, nur nach der selbstberichteten Drogenbenutzung der vier Drogen, unmittelbar bevor die Studie begann. Die Autoren versuchen anderweitig anzudeuten, behauptend, daß “Wir untersuchten die Kohorte im sechsmonatigen Abstand für 96 Monate und erhielten Drogenbenutzerdaten und stellten HIV Serumzustand bei jeder Untersuchung fest”. Alles ist wahr. Aber außer den Daten von Marihuana, Nitrite, Kokain, und Amphetamin für die zwei Jahre vor dem Beginn der Studie, wurde keine andere Droge in der Ascher et al. Analyse gebraucht. Sie vermieden sogar, ihre eigenen Daten an Heroin, Äthyl Chlorid, Halluzinogen, und anderen Drogen zu gebrauchen. Außerdem machte der Kommentar nie eine Bemerkung über das Problem der nicht bestätigten Antworten hinsichtlich des Gebrauches von psychoaktiven und illegalen Substanzen.

Falls Ascher et al. nicht ihre Datenbank nachprüfen wollen, um diese Kritiken zu beantworten, jemand anders sollte. Allen Downey (ein UC Berkeley graduierter Student in Informatik) und ich reichen gegenwärtig ein Schreiben zu Nature ein, das genau das macht. Unsere Analyse, welche nicht freigegeben werden kann bis zur offiziellen Veröffentlichung, enthüllt einige erschreckende Resultate von derselben Datenbank wie von der San Franzisko Männer Gesundheitsstudie. Wir appellieren an Maddox’s kürzliches redaktionelles Versprechen, daß, “Wenn er [Duesberg] einen Text zur Veröffentlichung anbietet, der als echt erwiesen werden kann, wird er, wenn möglich, veröffentlicht — nicht zum wenigsten in der Hoffnung und Erwartung, daß sein nächstes Angebot ein Zugeständnis eines Irrtums ist”. Wir werden jedoch Maddox in seiner “Hoffnung und Erwartung” enttäuschen müssen.

Laß uns hoffen, daß Maddox endlich gewillt ist, ehrliche und offene Debatte mit unserem Angebot von originalen Daten für die Veröffentlichung, zu erlauben.
 

[Herausgeber’s Vermerk, 2005: Unsere wissenschaftliche Studie, die die Ascher et al. Studie nachprüfte, entdeckte (1) wenigstens 45 Fälle von nichtinfizierten Männern mit der AIDS-Krankheit, die HIV-negativ sind; (2) starke Drogenbenutzung bei solchen Männern, die in der Ascher et al. Studie identifiziert sind als “keinen Drogengebrauch”; (3) stärkeren Drogengebrauch bei HIV-positiven Männern als bei HIV-negativen, zeigend, daß der HIV-Virus nicht mit AIDS verbunden war; (4) ernsthafte Lücken in der Datenbank der Studie, welche es unbrauchbar macht für irgendein anderes Ergebnis. Kurzum, unsere neue Studie vernichtend widerlegte die Ascher et al. Studie.

John Maddox, Herausgeber von Nature, war klar nicht auf unser Schreiben vorbereitet, und letzten Endes lehnte er ab, es zu veröffentlichen — ohne Erklärung und in direkter Zuwiderhandlung gegen seine vorherige Versprechung. Unsere Studie wurde später, im Januar, 1995, in dem angesehenen wissenschftlichen Journal Genetica veröffentlicht.2 So weit wie wir wissen, wurde seit den Jahren nie eine Antwort gegen unser Schreiben gemacht.]

Referenzen

1. Ascher, MS, Sheppard, HW, Winkelstein, J, & Vittinghoff, E, “Does drug use cause AIDS?,” Nature 362:103-4 (March 1993).

2. Ellison, BJ, Downey, AB, & Duesberg, PH, “HIV as a surrogate marker for drug use: a re-analysis of the San Francisco Men’s Health Study,” Genetica 95:165-171 (Jan. 1995).